Der Mai war im Nu vorbei. Aber er hatte es in sich!
Wie war mein Mai
Der Mai ist schnell vergangen, wirklich schnell. Ich kann kaum glauben, dass er schon vorbei ist. Es gab entspannte Phasen, aber auch sehr intensive, sowohl was die Vorbereitung als auch die Fachlichkeit betrifft. Insgesamt war es ein guter Monat, in dem ich stolz auf meine Arbeit sein kann.
Das Thema Motivation hat den Mai für mich besonders geprägt. Im Vordergrund stand, Lernanlässe zu schaffen, die die Kinder dort abholen, wo sie gerade stehen. Gleichzeitig habe ich den Blick immer wieder auf das gelenkt, was schon klappt und sich bereits entwickelt hat, und nicht nur auf das, was noch nicht funktioniert. Das ist manchmal gar nicht so einfach, aber genau das bringt Kinder wirklich weiter.
Dazu kamen einige Elterngespräche, die gut waren und mir fachlich einiges vermittelt haben. Dazu mehr im nächsten Abschnitt…
Elterntipp des Monats: Das Selbstbewusstsein wird nicht nur durch bessere Leistungen gestärkt
Ich hatte im Mai ein Elterngespräch, das mich noch eine Weile beschäftigt hat. Es ging um ein Mädchen mit Legasthenie, das längere Texte konsequent vermeidet, ob es sich um eine WhatsApp-Nachricht, eine E-Mail oder einen Lesetext in der Schule handelt. Sie erfindet Ausreden oder zieht sich zurück. Die Eltern wünschten sich, dass wir mehr an ihrem Selbstbewusstsein arbeiten, damit sie das Lesen irgendwann nicht mehr vermeidet.
Ich habe das Thema in meiner Fallbesprechung angesprochen. Gemeinsam haben wir einen anderen Blickwinkel erarbeitet.
Selbstbewusstsein zu stärken bedeutet nicht, Herausforderungen irgendwann allein meistern zu können. Zunächst bedeutet es, benennen zu können, dass es gerade schwer ist, dass sich bei dem Gedanken an einen Text sofort alles zusammenzieht und das Unwohlsein real ist und einen guten Grund hat. Und dann: Hilfe holen zu dürfen, nicht als Niederlage, sondern als Strategie.
Lesen, Schreiben und Rechnen sind nicht nur schulische Kompetenzen, sondern begleiten Kinder und Jugendliche durch den gesamten Alltag: beim Lesen wichtiger Briefe, beim Verabreden über Nachrichten oder beim Ausrechnen, wie viel Zeit noch bleibt. Wer damit Schwierigkeiten hat, vermeidet diese Situationen irgendwann, weil es einfacher ist, als das Unwohlsein immer wieder auszuhalten.
Eltern können keinen Druck mehr ausüben oder zusätzliche Übungsstunden organisieren. Vielmehr sollten sie als verlässliche Anlaufstelle zur Verfügung stehen. So kann das Kind oder der Jugendliche sagen: „Das fällt mir gerade schwer. Kannst du mir bitte helfen?” Und es ist wichtig, dass dann jemand da ist.
Fachtipp des Monats: KI als Sparringpartner statt Abschreibhilfe sowie Lernen mit KI
Ein Thema, das mich im Mai beschäftigt hat und bei dem ich ehrlich gesagt noch nicht ganz durchgestiegen bin, ist der Einsatz von KI im Lernalltag von Kindern und Jugendlichen. Dabei geht es nicht um einen vorübergehenden Trend, sondern um etwas, das ihr Leben schon jetzt und noch viel stärker in Zukunft prägen wird.
Ich habe das bei meiner eigenen Tochter beobachtet. Sie musste einen Essay schreiben, hat sich über verschiedene Quellen informiert und dann ihre eigenen Gedanken und Ideen in die KI eingesprochen, um damit weiterzuarbeiten. Das hat sie aus eigener Motivation gemacht, ohne dass ich sie dazu aufgefordert hätte.
Was mich daran beschäftigt: Wie können Kinder und Jugendliche lernen, KI so zu nutzen, dass sie trotzdem weiterhin kritisch denken, hinterfragen und reflektieren? Wie können sie lernen, nicht einfach das zu übernehmen, was die KI ausspuckt, sondern im Austausch zu bleiben, eigene Ideen einzubringen und das Tool als Unterstützung zu nutzen?
Mein Fachtipp für diesen Monat ist deshalb ganz simpel: die Vorbildfunktion. Als Elternteil, als Lehrkraft, als Bezugsperson. Wer im eigenen Umgang mit KI Reflexionsfähigkeit und kritisches Denken vorlebt, gibt Kindern und Jugendlichen das beste Werkzeug mit auf den Weg.
Material des Monats: Dobble und HurriCount
LRS: Dobble
Dobble ist zwar kein neues Spiel, aber ich setze es gerade wieder sehr bewusst ein. Besonders bei Kindern, die zweisprachig oder mehrsprachig aufwachsen. Was das Spiel so vielseitig macht: Es trainiert die schnelle Wortbenennung, die eine wichtige Grundkompetenz fürs Lesen ist, sowie Konzentration und Reaktionsfähigkeit. Schon die Basisversion enthält so viele verschiedene Begriffe, vom Anker über die Schildkröte bis zum Verkehrszeichen, dass man damit wunderbar den Wortschatz und die Artikel trainieren kann, indem man die Karten mit dem korrekten Artikel benennt. Für die Lerntherapie erstelle ich außerdem eigene Dobble-Spiele mit gezielt ausgewähltem Wortmaterial, das auf bestimmte Wortfelder oder Rechtschreibthemen abgestimmt ist, die wir gerade bearbeiten.
Rechnen: HurriCount
HurriCount ist eine Neuanschaffung, die bei den Kindern sehr gut ankommt. Es trainiert auf spielerische und temporeiche Weise die Mengenerfassung, Mengenvergleiche und mathematische Grundbegriffe wie „größer”, „kleiner” und „gleich”. Was ich besonders schätze: Die Kinder müssen dabei auch sprachlich ausdrücken, was sie sehen, zum Beispiel: „Hier sind mehr Frösche als Igel.” Das trainiert mathematisches Denken und sprachliche Kompetenz gleichzeitig und ist besonders wertvoll für mehrsprachige Kinder. HurriCount ist nicht überall erhältlich, aber es lohnt sich, danach zu suchen.
Schönster Moment des Monats
Eigentlich waren es drei Momente, die mich im Mai begleitet haben.
Der erste war in einer Online-Stunde mit einem noch sehr jungen Kind, das sich bisher schwer damit getan hat, sich auf die Lerntherapie einzulassen, motorisch unruhig, mit einigen Vermeidungstendenzen. Wir haben in dieser Stunde über Lese-Rechtschreib-Störung geredet, wie verbreitet sie ist, was das bedeutet, ganz konkret für ihn. Und ich fand es wirklich schön, wie er sich geöffnet hat, wie er reflektiert hat, wie wir ins Gespräch gekommen sind. Das sind die Momente, für die ich diese Arbeit mache.
Der zweite kam per E-Mail. Rund um den Maifeiertag und Pfingsten gab es einige Absagen, da die Familien die freien Tage genutzt haben. Bei einem Schüler mussten die Eltern zweimal absagen und haben mir dann rückgemeldet, dass er ganz traurig war und zu ihnen gesagt hat: „Och Mann, schade, dann sehe ich Maxi wieder nicht. Es macht doch immer so viel Spaß.“ Das hat mich wirklich gefreut und auch ein bisschen stolz gemacht.
Und dann gibt es noch etwas, das den Mai insgesamt beschreibt. Man merkt, dass das Schuljahr zu Ende geht und die Luft raus ist. Manche Kinder kommen mit weniger Motivation oder sogar mit Vermeidungsverhalten in die Stunde. Aber sie lassen sich trotzdem immer wieder motivieren, wir gestalten schöne Lernstunden und machen kontinuierlich kleine Fortschritte. Das freut mich, auch wenn es im Alltag manchmal untergeht.
Ausblick Juni
Der Juni wird bei mir vor allem von Abschlüssen geprägt sein. Ich werde noch einmal innehalten, um festzuhalten, welche Fortschritte gemacht wurden und wo wir stehen. Diese Informationen werde ich auch den Eltern mitgeben. Es stehen einige Elterngespräche an, die mir wichtig sind, denn es geht darum, die langen Sommerferien gut vorzubereiten. Gerade hier in Spanien, wo die Ferien sehr lang sind, ist es schön, wenn die Kinder mit einem kleinen Plan in die Pause gehen und vielleicht auch selbstständig das eine oder andere erledigen.
Gleichzeitig stelle ich bereits jetzt fest, dass die Erschöpfung bei den Kindern zunimmt. Das gehört zum Jahresende dazu, und diesem Umstand möchte ich auch Raum geben, ohne dass dabei die Lernmomente verloren gehen. Das ist ein kleiner Balanceakt, den ich gut kenne.
Und am Ende des Monats stehen auch kleine Abschiede an, zumindest bis zum Herbst.


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